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Montag, 18. September 2006

Typologisch-historische Betrachtung des Skandinavischen und des Deutschen 

Nachfolgend einige Gedanken über die skandinavischen Sprachen im Vergleich zum Deutschen. Inwieweit ähneln sich die skandinavischen Sprachen, gibt es Möglicherweise vergleichbare Sachverhalte im deutschen Sprachraum?

Bokmål ist die aus der dänischen Schriftsprache abgeleitete norwegische Schriftsprache, die sich allgemein durch Schule und Staat im Volk durchgesetzt hat. Hier kann man vielleicht den Vergleich bemühen, wie sich das Hochdeutsche, das sich als klösterliche Schriftsprache auf dem Weg vom Alemanischen über das Bairische bis hin zum reformatorischen Mitteldeutschland entwickelte, auf das Niederdeutsche auswirkte. So sehen wir heute noch den niederdeutschen Dialekt (”Plattdeutsch”) fast wie eine eigene Sprache, dessen Sprachraum das Hochdeutsch “übergestülpt” wurde.

Diese vermeintliche Analogie ist aber inkongruent, da interessanterweise das seit Anfang des 19. Jahrhunderts propagierte Nynorsk eine konstruierte Synthese der urnorwegischen Dialekte ist. Hochdeutsch hingegen ist eine natürliche Synthese aller deutschen Dialekte außer des Niederdeutschen. Seine Funktion auf das Niederdeutsche ist zwar dieselbe wie die des Dänischen auf die norwegische Sprache im geschichtlichen Kontext der Aufklärung. Nynorsk ist wiederum Hilfsmittel der nationalen Wiedergeburt Norwegens (seit 1905 unabhängig vom dänischen König), so wie Plattdeutsch identitätsstiftend für eine verschwindend geringe Zahl von Norddeutschen ist. Zusammenfassend kann man sagen, dass Hochdeutsch und Nynorsk jeweils die synthetisierten Nationalsprachen sind, in Norwegen sich aber das norwegisierte Dänisch (bokmål) durchgesetzt hat und umgekehrt das Niederdeutsche als Instrument der lokalen Identitätsstiftung dient.

Der Bezug der ostskandinavischen Sprache Schwedisch zu den benachbarten westskandinavischen Sprachen Dänisch und Bokmål sowie Nynorsk als Sonderfall gliedert sich wie folgt:

Ost- und Westskandinavisch ist tatsächlich sehr verschieden, und wenn man das Dänische heranzieht, dann vielleicht sogar verschiedener als Deutsch und Niederländisch. Die äußerst differenzierten norwegischen Dialekte liegen teilweise sehr dicht am Schwedischen, einige haben noch Kasi und andere urgermanischen Besonderheiten. Die Ausprache der beiden norwegischen Hochsprachen ist ein Substrat aus diesen Dialekten, weshalb sie sich meiner Meinung nach sehr dem Schwedischen ähnelt, abgesehen von einigen Westnorwegischen Dialekten wie etwa der in Bergen und Kristansand oder Stavanger. Grammatikalisch wird das Nynorsk wohl dem Schwedischen näher sein als Bokmål es ist.

Letztendlich muss man noch bemerken, dass Nynorsk zwar Pflichtfach an den Schulen in Norwegen ist, die wenigsten sich aber dessen im Alltag bedienen und wenn, dann meist in einer Art personalisierter Mischung aus jeweiligem Dialekt und Nynorsk.




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