Hier eine Übersicht verschiedener Dokumente, die ich verfasst habe.

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Abschlussbericht der Reise vom 23. August zum 3. September 2001

Berichte der Teilnehmer


Teilnehmer der Reise

Verantwortliche:

  • Katharina Lorch (Finanzen)
  • Martin Podolak (Organisation)

Ehrenamtliche:

  • Wilfried Christiansen
  • Martin Hoffmann
  • Bodil Hoße
  • Katharina Schirmbeck
  • Dirk Siegl

Alle Teilnehmer der Reise sind im AFS ehrenamtlich aktiv bzw. nahmen mit dem Verein an einem der Programme teil.


Vorbereitung der Reise

Den größten Teil der Vorbereitungen für die Reise nahm ich im Hamburger Büro des AFS vor. So beschäftigte ich mich mit der Auswahl der Bewerber, als Ansprechpartner für die Teilnehmer, mit den Flugtickets und allen anfallenden Visaangelegenheiten.

Die Vorbereitung der Teilnehmer wurden durch ein ausgearbeitetes Handbuch http://russlandhandbuch.piranho.de gewährleistet, das ich im Rahmen meiner Ehrenamtlichentätigkeit in Russland ausarbeitete.

Bezüglich des Programms der Reise korrespondierte ich mit Alexey Archinov, der seinerseits auf russischer Seite für die Reise zuständig war. Es wurde ein sehr reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm vorgeschlagen, das allerdings hohe Kosten veranschlagte. Es stellte sich bald heraus, dass AFS Russland davon ausging, die Hälfte der dem AFS Deutschland zur Verfügung gestellten Fördergelder für die Reise zu bekommen. Zu diesem Mißverständnis trug wohl auch bei, dass weder ich noch Alexey Archinov damals von der offiziellen Abmachung zwischen AFSRUS und AFSGER etwas wussten, die Organisation im Gastland habe alle hosting-Kosten zu tragen. Leider musste die russische Seite als hosting organisation daraufhin drastische Kürzungen im Budget des Programms und damit im Programm der Reise vornehmen. AFS Deutschland erklärte sich bereit, zumindest 50% der Hosting-Kosten zu übernehmen, um die Durchführung der Reise zu gewährleisten. Das Ausmaß der Kürzungen wurde mir jedoch erst später klar.

Die Finanzen während der Reise übernahm Katharina Lorch.


Die Stationen der Reise

Ein tabellarisches Protokoll der Reise ist im Bericht von Katharina Schirmbeck zu finden.

Nach der Ankunft am Moskauer Flughafen wurden wir von russischen ehrenamtlichen AFSern zum Hotel “Olimpiez” gebracht, wo am selben Tag das Crash-Arrival-Camp für die ankommenden Jahresgastschüler begann. Hier hatten die Teilnehmer der Reise gleich die Möglichkeit, bei einer der größeren Aktivitäten des Vereins teilzunehmen und sich mit den russischen Ehrenamtlichen auszutauschen.

Am dritten Tag fuhren sowohl die Teilnehmer der BMFSFJ-Reise als auch die Jahresgastschüler nach einer kurzen Besichtigung Moskaus in ihre Gastfamilien: Katharina Lorch nach St. Petersburg, Wilfried Christiansen und Katharina Schirmbeck nach Nischnij Nowgorod, Dirk Siegl, Martin Hoffmann und Bodil Hoße nach Jaroslawl. Alexey Archinov war der Begleiter in seine Heimatstadt Jaroslawl, in die anderen Städte fuhren andere russischen Ehrenamtliche mit. Ich selbst blieb in Moskau bei den Gastfamilien, in denen ich zuvor für längere Zeit als Gastschüler und als Ehrenamtlicher lebte.

Am frühen Morgen des 1. September holte ich die aus den Komitees zurückkehrenden Reiseteilnehmer von den jeweiligen Moskauer Bahnhöfen ab. An jenem Tag organisierte ich die Stadtführung, am Abend waren wir auf der 854-Jahr-Feier der Stadt Moskau.

Am nächsten Tage übernahm Anke Bartholomä die Reisegruppe, um uns das EVS näher zu bringen. So stand an jenem Tag der Besuch eines Projektes auf dem Programm (s.u.).

Am letzten Tage des Aufenthaltes traf sich die Gruppe im Moskauer Büro des AFS, um dessen Arbeit ein wenig kennen zu lernen und eine kurze Evaluation der Reise vorzunehmen.



Feedback der Teilnehmer und Resümee

Ich hatte den Eindruck, dass alle Teilnehmer die Reise insgesamt als überwiegend positivansehen, wohl besonders die Aufenthalte in den Gastfamilien. Alle bekamen einen Eindruckvon der Problematik der Ehrenamtlichentätigkeit in Russland, die von geschichtlichen undsozialökonomischen Aspekten bestimmt wird. Außerdem konnten sie die Arbeitsweise desrussischen AFS-Komitees und derer Ehrenamtlichen kennen lernen.

Durch die bereits erwähnten Änderungen im Programm der Reise hatten wir leider nicht die Möglichkeit, mehr Community-Service-Projekte zu besuchen, als zunächst geplant. Anke Bartholomaä versorgte uns aber zu Beginn und am Ende unseres Aufenthaltes mit Informationen über den Stand der Dinge bezüglich der Entwicklung des EVS/CSP. Der Besuch des Projekts “4/4” zeigte uns, dass es trotz aller Steine, die der Ehrenamtlichentätigkeit als solche im Wege liegen, genug Möglichkeiten für sinnvolle ehrenamtliche Betätigung in Russland gibt. “4/4” richtet sich an Jugendliche aus sozial schwachen Familien in Moskau, mehrere Ehrenamtliche helfen hier 12- bis 16-jährigen, sich kreativ zu betätigen, selbst Projekte zu gründen.

Bedauert wurde von uns, dass erst wenige ökologischen Projekte in Russland bestehen und es daher schwer ist, dorthin deutsche Ehrenamtliche zu schicken. Es führte uns vor Augen, wie wenig es ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein im Lande gibt.

In der Gruppe wurde außerdem bemerkt, dass viele der russischen Ehrenamtlichen im AFS selbst nicht, wie in Deutschland, in den Genuss eines längeren Auslandsaufenthalts kommen.

Das enge und familiäre Verhältnis der Menschen in Russland zueinander konnte unsere Reisegruppe besonders in den jeweiligen AFS-Komitees und den Gastfamilien gut miterleben, ein in dieser Beziehung gelungener interkultureller Austausch, der den Reiseteilnehmern sicherlich Russland und die Menschen dort näher gebracht hat. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich das vorbildliche Engagement der russischen Ehrenamtlichen in den Komitees hervorheben, die den deutschen Teilnehmern durchgehend ein interessantes und abwechslungsreiches Programm geboten haben. Die meisten der Teilnehmer haben mir auch nach der Reise wiederholt ihr Interesse an einem weiteren Engagement im AFS mit Russland bekundet.

Ich selber habe gute und auch einige schlechte Erfahrungen in Sachen Planung und Durchführung einer Reise sammeln können. Erfüllt hat sich vor Allem die Hoffnung, das alle einen für die kurze Zeit verhältnismäßig gut reflektierten Einblick in die Kultur und Gesellschaft des Landes bekommen konnten.

Martin Podolak, Hamburg, 4.12.2001




Bericht von Katharina Schirmbeck

Russland Reise 23.08.01-03.09.01

Inhalt

1) Protokoll
2) Niznij Novgorod
3) AFS Strukturen
4) Familienleben
5) Jugendliche
6) Fazit


Protokoll


23.08.01

08:50h Abflug vom Hamburger Flughafen
(Bodil Hoße, Martin Polodak, Katharina Schirmbeck)

15:00h (Ortszeit) Ankunft Sheremetievo Moskau
anschl. Transfer zum Hotel Olympia à AFS Crash Arrival Camp

  • Erstes Kennenlernen der Gruppe (Martin Polodak, Katharina Lorch, Bodil Hosse, Wilfried Christiansen, Dirk Siegl, Martin Hoffmann, Katharina Schirmbeck)
  • Besprechung und Planung des weiteren Verlaufes der Reise

24.08.01-25.08.01

  • Teilnahme an den Aktivitäten des Crash Arrival Camps
  • Gespräche mit AFS Volunteers und Mitarbeitern des AFS Office Moskau über ehrenamtliche Tätigkeit in Deutschland und Russland
  • Vorstellung der Community Service Projekte in Russland durch die AFS Praktikantin Anke Bartolomae

25.08.01

  • Abreise der Teilnehmer in verschiedene Regionen

23:40h Abfahrt vom Moskauer Bahnhof Richtung Niznij Novgorod (Wilfried Christiansen und Katharina Schirmbeck)


26.08.01


23:40h Ankunft in Niznij Novgorod

  • Begrüßung durch die AFS Freiwillige Ljuba Malanitschewa und die jeweiligen Gastgeschwister Galya (Katharina Schirmbeck) und Sergej (Wilfried Christiansen)
  • Fahrt in die Gastfamilien

17:00h Erstes Treffen mit Ljuba und weiteren Russen im Zentrum von Niznij; Stadtführung von Ljuba (Besichtigung des Kreml, Spaziergang zur Wolga...)


27.08.01


11:00h Besichtigung eines Freilichtmuseums

17:00h Besichtigung einer alten russischen Kirche
anschl. Schifffahrt auf der Wolga

28.08.01


12:00h Besichtigung einer Messe d.h. eines großen russischen Kaufhauses

15:00h AFS Treffen zum Beginn des AFS Jahres

  • Begrüßung der neuen Austauschschüler
  • Vorstellung des Komitees
  • Erklärung der AFS Strukturen in Niznij sowie der Aktivitäten im kommenden Jahr

29.08.01


11:00h Treffen mit der Volunteer Agency von Niznij Novgorod

  • Vorstellung der Organisation sowie der Verbindung zu AFS
  • Gespräch über mögliche CSP Projekte und Camps sowie über den Bedarf ehrenamtlicher Arbeit in Niznij

20:00h Besuch einer russischen Diskothek


30.08.01


15:00h Treffen mit AFS Vorsitzender sowie einem Mitglied des AFS Vorstandes

  • Gespräch über das CSP à Erfahrungen, Probleme, Möglichkeiten der Realisierung der Aufnahme eine deutschen CSPlers in Niznij

31.08.01


13:30h letztes Treffen im Zentrum von Niznij
anschl. Abschiedskaffeetrinken bei Sergej

21:20h Abfahrt vom Bahnhof Niznij Novgorods


01.09.01


05:20h Ankunft Bahnhof in Moskau à Treffen mit den anderen Teilnehmern

  • Besichtigung des Roten Platzes, des Puschkin Museums ...
  • Teilnahme am Straßenfest zu Ehren Moskaus Geburtstages

23:00h Treffen der Gastfamilien


02.09.01


13:30h Besuch eines Festes, das von dem Club 4/4, in dem ab Oktober ein CSPler mitarbeiten soll, mitveranstaltet wurde
anschl. Weitere Besichtigungen sowie der Besuch der Ausstellung der Volkswirtschaft

20:30h BRestaurantbesuch in Moskau mit abschließender Besprechung, Feedback...

03.09.01


10:00h Treffen im AFS Büro Moskau

  • Vorstellung der Mitarbeiter des AFS Büros
  • Abrechnung etc.
  • Kleine Abschiedsfeier

anschl. Aufbruch zum Flughafen

15:00h Abflug von Sheremetievo (Bodil Hoße, Katharina Schirmbeck)

~17:45h Ankunft Hamburger Flughafen


Niznij Novgorod

Niznij Novgorod ist eine Großstadt im Zentrum des europäischen Teils von Russland. Sie liegt etwa 650 km von Moskau entfernt und ist von dort mit dem Zug in ungefähr 8 Stunden zu erreichen. Mit ihren 1,5 Millionen Einwohnern ist sie nach Moskau und St. Petersburg die drittgrößte Stadt Russlands. Häufig wird sie auch als Geldbeutel Russlands bezeichnet, weil hier viel Industrie, wie z.B. ein Wolga-Automobil-Werk, angesiedelt ist. Darüber hinaus werden hier Militärflugzeuge und U-Boote hergestellt. Aufgrund dieser Rüstungsbetriebe war Niznij Novgorod bis zum Ende der Sowjetzeit 1990 eine geschlossene Stadt, d.h. sie durfte von Ausländern nicht betreten werden. Während der Sowjetzeit hieß die Stadt Gorkij, nach dem berühmten Schriftsteller Maxim Gorkij, der hier geboren wurde. Schließlich erhielt sie jedoch ihren ursprünglichen Namen Niznij Novgorod zurück, was soviel wie ”tiefe, neue Stadt” bedeutet. Die Stadt, in deren Mitte die Oka in die Wolga fließt, ist von einem kontinentalen Klima geprägt. Die Luft ist sehr trocken und die Temperaturamplitude reicht von –25 C in den Wintermonaten bis zu +30 C im Sommer.

Niznij Novgorod scheint für die Durchführung des AFS-Programms CommunityService durchaus geeignet zu sein. Das Schülerprogramm findet hier schon seit einigen Jahrenerfolgreich statt. Das AFS-Komitee hier ist sehr engagiert und gut organisiert. Es gibt viele ehrenamtliche Mitarbeiter, die bei der Durchführung des Schüleraustausches helfen und die auch großes Interesse an dem CSP zeigen. In Gesprächen mit der AFS Vorsitzenden und der Volunteer Agency von Niznij Novgorod hat sich gezeigt, dass es diverse soziale und ökologische Projekte gibt, in denen sich die Mitarbeit eines CSPlers ermöglichen lassen würde.

Zudem gibt es einige internationale Sommercamps für Jugendliche. Die Vermittlung von Teilnehmern wäre sicherlich auch eine Möglichkeit von AFS Engagement. Nähere Informationen über die möglichen CSP-Projekte und die Camps lassen sich aus den beigefügten Listen und Beschreibungen entnehmen.

Auch die Stadt Niznij Novgorod selbst eignet sich für den Aufenthalt eines CSPlers bzw. für Austauschschüler. Zwar ist die Architektur der Stadt, wie die meisten russischen Städte, von Plattenbau geprägt, doch lässt sich im Zentrum eine durchaus attraktive Fußgängerzone finden. Hier gibt es Cafes, Restaurants, viele Geschäfte und sogar ein paar Museen. Zur Freizeitgestaltung bietet Niznij Novgorod Kinos und Nachtclubs und einiges mehr. Darüber hinaus verfügt die Stadt über ein vielfältiges Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln. U-Bahn, S-Bahn, Trolley-Bussse und Busse fahren zu günstigen Preisen oft und regelmäßig.

Die Armut Russlands zeigt sich auch in Niznij Novgorod durch baufällige Häuser, ausbaubedürftige Straßen, mangelnde Infrastruktur, Obdachlose, und, und, und. Trotzdem lässt es sich in Niznij Novgorod sicherlich gut leben. Wie in jedem anderen Land bedarf es wohl einiger Eingewöhnungszeit und der Bereitschaft auf gewissen Luxus zu verzichten, um sich in Niznij Novogorod wohlzufühlen. Auf den zweiten Blick entbehrt die Stadt jedoch nicht einen gewissen Charme. Sie ist einen Aufenthalt sicherlich wert.

AFS-Strukturen/ ehrenamtliche Tätigkeit in Russland

AFS Russland hat Komitees in den Städten Moskau, St. Petersburg, Yarolslavl, und Niznij Novgorod. Das AFS Büro, das sich um die allgemeine Verwaltung und Organisation kümmert, befindet sich in Moskau.

Während unseres Besuches in Moskau und Niznij Novgorod hatten wir auch Gelegenheit, Einblick in die Arbeit des AFS Russland zu bekommen. Es hat sich gezeigt, dass die AFSer dort sehr engagiert und organisiert sind. Wir haben in Niznij Novgorod an einem Komitee-Treffen teilgenommen und Gespräche mit der AFS Vorsitzenden geführt. Dabei haben wir festgestellt, dass sich die Komitee-Mitglieder ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl besitzen und sich sehr um ihre Austauschschüler kümmern. Es werden viele Treffen, Veranstaltungen und Fahrten für die Austauschschüler und die Volunteers (ehrenamtliche Mitarbeiter) organisiert. Außerdem gibt es für die neuen Komiteemitglieder ein Heft, das ”gelbe Seiten” genannt wird, und in dem alle wichtigen Telefonnummern aus dem Komitee, der Stadt und auch sonst nützliche Tipps enthalten sind.

Insgesamt fällt auf, dass viele der AFS Volunteers selbst nicht als Austauschschüler in einem anderen Land waren. Darin zeigt sich das Interesse der jungen Russen an interkulturellen Begegnungen. Zudem wird, wie wir auch den Gesprächen mit der Volunteer Agency entnehmen konnten, deutlich, dass es eine große Bereitschaft zu ehrenamtlichen Engagements.

Und dieses Engagement wird in Russland aufgrund seiner sozialen und wirtschaftlichen Probleme sicherlich sehr gebraucht.

Familienleben

Meine russische Gastfamilie, bei der ich sechs Tage gelebt habe, hat mich sehr herzlichaufgenommen. Meine gleichaltrige Gastschwester Galya, die 98/99 in Münster gelebt hat und daher sehr gut Deutsch spricht, hat sich sehr um mich gekümmert und auch unsere Ausflüge mitorganisiert. Galya wohnt zusammen mit ihren Eltern in einer 3-Zimmer-Wohnung. Von dort kann man das Zentrum mit dem Bus in etwa 40 Minuten erreichen. Die ältere Schwester ist schon vor einiger Zeit ausgezogen. Die Eltern waren wirklich sehr gastfreundlich und hilfsbereit. Beide arbeiten bei einem Wolga-Werk, der Vater als Ingenieur, die Mutter als Sekretärin. Für russische Verhältnisse verdienen sie recht gut. Galya studiert an der Universität in Nishnij Novgorod Informatik und Mathematik. Ich hatte den Eindruck, dass meine Gastfamilie ein glückliches, nicht außergewöhnliches und ausgeglichenes Leben lebt.

Jugendliche

Das Leben der russischen Jugendlichen, die ich kennen gelernt habe, unterscheidet sich nicht sehr von dem deutscher Jugendlicher. Man trifft mit Freunden zum gemütlichen Zusammensein oder um etwas zu trinken, spielt Billard, geht ins Kino, in Cafes und Diskos.

Die Disko, die wir in Niznij Novgorod besucht haben, ähnelte abgesehen von Musik und Mode den deutschen Diskos, die ich kenne, sehr. Auch Freundschaften und Beziehungen gestalten sich ähnlich wie in Deutschland.

Fazit

Der Aufenthalt in Russland war für mich eine sehr spannende und wertvolle Erfahrung. Durch diese Reise habe ich sicherlich einen großen Teil an Vorurteilen abgebaut. Russland ist für mich nun nicht mehr nur ein bloßes, großes, kaltes, fremdes Land. Ich habe dort viele liebenswerte Menschen kennen gelernt und habe festgestellt, dass die Lebensumstände zwar nicht an die unsrigen heranreichen, dass sich ein Aufenthalt dort jedoch trotzdem sehr schön sein kann, wenn man entsprechend darauf vorbereitet ist. Abschließend bleibt mir zu sagen: Russland ist es wert entdeckt und kennen gelernt zu werden.



Bericht von Martin Hoffmann

Nach einem angenehmen Flug landeten wir im spätsommerlich-warmen Moskau. Dort wurden wir herzlichst empfangen und in ein Hotel in der Nähe des Flughafens gebracht, in welchem am selbigen Tage auch ca. 60 Gastschüler aus der ganzen Welt eintrafen, welche zur Zeit ihr Jahr in Russland erleben und, wie ich glaube, genießen.

Wir wurden dann auch auf traditionell-russische Art mit Weisbrot und Salz begrüßt. Die nächsten 48 Stunden verbrachten wir so mit den Ehrenamtlichen vom AFS Russland und den Frisch-Awayees in verschiedenen Workshops, bei welchem wir Wissenswertes über einige CSP- Projekte im Großraum Moskau und St. Petersburg erfuhren und uns über die Ehrenamtlichenarbeit, Arbeitsstrukturen und Organisationsabläufe austauschten. Nach den äußert informativen und sehr lustigen 2 ½ Tagen bei Moskau wurde unsere 7 Mann-Gruppe dann auf die Städte St. Petersburg, Nischnij Nowgorod, Jaroslawl und Moskau aufgeteilt. Ich hatte das Glück nach Jaroslawl zu kommen,. Die 4 Autostunden nördlich von Moskau liegende 600.000 Einwohner-Stadt wird von der Mutter aller russischen Flüsse durchflossen, und gehört aufgrund ihrer zahlreichen Kulturschätze zum goldenen Ring um Moskau. Wir lebten die knappe Woche in sehr gastfreundschaftlichen, netten und aufgeschlossenen Familien, besonders die Mütter sorgten sich sehr um das unser (leibliches) Wohl. Die Ehrenamtlichen, total geniale Leute, das muß ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen, des Komitees Jaroslawl unternahmen mit uns sehr viele Ausflüge, Besichtigungen und Kulturaktivitäten, so dass niemals auch nur ein Anflug von Langeweile aufkam. Die Stadt kann neben dem imposanten Wolgastrom, dem ältesten Theater Russlands, mehreren prunkvollen Kathedralen und Klöstern auch mit einem historischen Altstadtkern und vielen Museen aufwarten. So hatten wir auch die Möglichkeit Ikonen aus dem frühen Mittelalter (11. JH) betrachten. Ein Ausflug in die Nachbarstadt Rostov und seine Klöster stand ebenfalls auf dem Programm. Natürlich war auch die Visite auf einem typischen Wochenendhaus Pflicht.Viele Kulturschätze werden nun mehr und mehr renoviert, dies ist aber auch dringend nötig. So besuchten wir eine Klosterkirche, welche zu Stalins Zeiten als Wasserkraftwerk genutzt wurde, im Hauptschiff stand die Turbine, der Glockenturm wurde zum Wasserturm umfunktioniert, die wundervollen Deckenfresken waren dennoch in verblichener Formwiederzuerkennen. Überhaupt ist des Sozialismus Vermächtnis allgegenwärtig. So gibt es kaum einen Platz, welcher nicht von einem Monument Lenins oder Marx´ geschmückt ist.

Inzwischen werden die vormals Mächtigen zwar von den jüngeren Russen des öfteren verspottet, der Kapitalismus jedoch scheint vielen, v.a. jedoch den älteren Russen auch nicht als das optimale System. Vom derzeitigen Präsidenten Putin jedoch haben die Russen eine hohe Meinung, da er mit harter Hand regiert, nicht wie der vorherige, dem Alkohol zugeneigte Jelzin. Insgesamt wird dort nicht soviel getrunken wie ich erwartet habe, aber man sieht jedoch schon über mittags ziemlich viele Russen mit einer Plasteflasche Bier durch die Strassen ziehen, ab und zu liegen ein paar Schnapsleichen in den Hinterhöfen.

Auch die in den Medien meist übertriebenen Darstellungen einer extrem hohen Kriminalität weichen von der Realität ab, ich habe mich nicht einmal irgendwo, selbst nicht im nächtlichen Moskau unsicher gefühlt bzw. hätte einen Grund dazu gehabt. Was dagegen auf die Nerven fällt ist die weit verbreitete aber als normal angesehene Bürokratie und die Allmacht und das Verhalten jeglicher Sicherheitskräfte, welche ihre Autorität und Machtposition von jedem respektiert wissen wollen und diese auch gerne ausspielen.

Die abschließenden Tage in Moskau, um wieder auf den Reiseablauf zurückzukommen sind einfach nur als gelungen zu bezeichnen. Wir hatten das Glück, uns genau am Tag der 854-Jahrfeier Moskaus dort aufzuhalten, was uns eine Menge Vorteile brachte. So konnten wir die Gelegenheit nutzen, das Staatliche Kunstmuseum Alexander Puschkin kostenlos zu besuchen, die Wiederauferstehungskathedrale (so hieß sie doch oder Martin) bewundern und in der Gegend rund um den Kreml waren Bühnen aufgebaut, vor denen Zehntausende Moskauer tanzten und feierten. Auch der Besuch des Geländes der ehemaligen Volkswirtschaftsaustellung, dem sozialistischen Pedant der Weltausstellung, auf welchem nun versucht wird, jegliche Art von westlichen Konsumgütern an den Mann zu bringen, zeugt von der immer gegenwärtigen Vergangenheit dieses vielseitigen, wunderschönen Landes. Am vorletzten Tage besuchten wir auch ein CSP – Projekt in Moskau, den Club 4/4, in welchem Jugendliche von 12-16 Jahren aus sozialschwachen Familien bei der Realisierung ihrer Projekte unterstützt werden. So werden Graffiti-, Break-dance- und Schachgruppen gefördert. Die Jugendlichen selbst erstellen dort auch Broschüren über die Rechte der Jugendlichen und verteilen diese. Die meisten CSP – Projekte in Russland sind hauptsächlich auf die pädagogische Arbeit mit Kindern bezogen. In St. Petersburg ist aber zum Beispiel auch ein Projekt in Planung, in welchem der CSPler als Journalist im Namen der Umwelt Vergehen gegen diese recherchiert und diese an die Presse weitergibt, was mir von der Idee als sehr interessant und sinnvoll erscheint, den der Umweltschutz, so musste ich feststellen, scheint für die Russen kein Thema von Bedeutung zu sein, doch es gibt auch immer noch existentiellere Probleme für das Volk wie die Armut, welche zwar auf den ersten Blick überhaupt nicht spürbar, jedoch vorhanden ist. Dies tut der unbeschreiblichen Gastfreundschaft der Russen aber keinen Abbruch, dieses durchaus humorvolle Volk betrachtet es im Gegenteil als eine Pflicht ihre Gäste gut zu bewirten und zu unterhalten.

So schmiss ich dann auch eine Münze an vielen Orten, nach russischer Tradition bedeutet dies, dass man wiederkommt. Und dass ich wiederkommen muss, steht seit dieser interessanten, gelungenen aber vor allen Dingen herzlichen PTW-Fahrt für mich, und wie ich denke auch für die lieben Mitreisenden, seit diesen 12 Tagen in Russland fest.



Ehrenamtlichenaustausch mit AFS Russland - Bericht von Bodil Hoße

Wie üblich bei AFS, haben wir in Familien gewohnt. So hat jeder etwas anderes zu erzählen. Generell lässt sich sagen, daß die Familien, die in der Lage sind ihrem Kind ein Jahr im Ausland zu finanzieren, nicht das Geld zum Fenster hinaus schmeißen und auch nicht sehr wenig haben.

Uns wurde berichtet, daß viele Familien ein Fest feiern, wnn sie Geld haben. Doch dann ist es auch sehr schnell ausgegeben und den Rest des Monats wissen sie nicht, wovon sie leben sollen. Doch diese können keine AFS Familien sein.

Viele Familien haben Datschas etwas außerhalb der Stadt. Meine auch, doch leider waren wir nicht dort. Da es in der Stadt keine richtigen Gärten gibt, wird dort auch Obst und Gemüse für den Eigenbedart angebaut. Als wir ein Kloster besucht haben, das sich ein wenig außerhalb der Stadt befindet, konnten wir ringsherum kleine ”Schrebergärten” sehen und auch Menschen beobachten, die Taschenweise Obst und Gemüse mit sich nahmen.

Die meisten Familien leben seit Ewigkeiten in den gleichen Wohnungen, da es meist Eigentumswohnungen sind. Es gibt auch nur sehr wenige Mietswohnungen, wie wir sie kennen. Die meisten wohnen in Jaroslavl in Mehrfamilienhäusern. Die Häuser sehen von außen oft nicht sehr vertrauenswürdig aus, die Flure oft noch weniger. Doch dies hat nicht viel zu sagen. Die Menschen scheuen nach außen zu zeigen, was sie besitzen. Die Wohnungen können von innen viel anders sein, als es von Außen scheint. An allen Häusern sind meistens im Erdgeschoß Gitter vor den Fenstern angebracht. Im Moskauer Umland haben wir sogar Häuser gesehen, bei denen selbst im Gieben (3.Stock) Gitter an den Fenstern waren.

Das eigentliche Leben findet auch heute noch auf den Höfen zwischen den Häusern statt. Man findet Wäscheleinen und Spielmöglichkeiten für die Kinder, Bänke für die Eltern und alle Anderen vor. Je nachdem wie die Anwohner auf die Pflege und Sauberkeit achten, sind die Höfe sehr unterschiedlich. Menschen findet man dort immer, die man beobachten kann.

Genauso findet man auch an jeder Ecke einen kleinen Verkaufsstand, dort kann man einkaufen, oft haben sie sehr viel. Quasi, wie ein Tante Emma Laden. Dies ist nicht die einzige Möglichkeit einzukaufen. Es gibt auch den Basar. Ein Gelände auf dem ein Verkaufstand neben dem nächsten steht. Dort kann man alles Kaufen, von Lebensmittel über Taschen und Kleidung bis Hygieneatikel. Es gibt auch Abschnitte mit festen Häusern, wie zum Beispiel für die Fleischwaren. Ich hatte das Gefühl, ich müsste Vegetarier werden, vom Geruch und dem Anblick der toten Schweineköpfe. Auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Hier sind auch die Russen immer auf der Hut vor Taschendieben.

Viele Kinder werden von ihren Eltern zum Betteln geschickt, da die Familien einfach nicht genug Geld haben. In den Vorräumen zu Kirchen findet man oft alte Menschen oder Kinder vor, die betteln. Ein Teil des Glaubens ist auch, das wenn man einem armen Menschen etwas gibt, dass man eine gut Tat vollbringt. Tut man dies auch noch auf heiligem Boden ist die Tat noch besser.

Jugendliche gehen in Russland , wie auch in Deuschland ins Kino, in die Disko oder ins Theater. Viele haben wir auch auf den Höfen gesehen, sie haben sich dort mit Ihren Freunden getroffen und zusammengesessen. Oft sitzen sie zu dritt zusammen. Viele von den jungen Frauen saßen in fremden Höfen um dort zu rauchen. Ich vermute, dass Rauchen für junge Frauen nicht sehr atraktiv ist und von der älteren Gesellschaft nicht ganz akzeptiert.

Viele Eltern sind sehr autoritär, was die Kinder dazu zwingt vieles heimlich zu tun. Was man aber auch beobachten konnte, waren 12 jährige, die betrunken waren. Sie trafen sich genau wie ihre Eltern an einem abgesprochenden Ort zum Saufen. Es wird nicht wie in Deutschland heimlich hinter verschlossenen Türen getrunken, sondern in aller Öffentlichkeit. Egal welches Alter, obwohl ich glaube, daß die Kinder am Anfang es nur aufprobieren wollen. Doch kann dies schnell zur Sucht werden und bei den Drogen enden. In Russland landet man sehr sehr lange wegen Drogenbesitzes im Gefängnis, 6 Jahre ist dabei keine Zeit.

Die wenigsten jungen Männer wollen zum Militär, doch 2 Jahre müssen Sie. Viele überleben diese Zeit nicht. Es ist sehr hart und die Zahl der Amokläufer und Selbstmörder ist sehr hoch. Der Druck, der auf ihnen lastet ist hoch und die Macht der Autorität wir nie in Frage gestellt. Einen Ersatzdienst gibt es noch nicht, obwohl er vom Gesetz schon vorgesehen ist. Dafür fehlt das Geld.

Eine Möglichkeit dem Militär für einige Zeit zu entfliehen ist es, ein sehr guten Schüler zu sein, dann darf man direkt nach der Schule studieren gehen.

Die Schüler besuchen normalerweise die gleiche Schule von der 1. Bis zur 11. Klasse, wobei das Schulsystem in den letzten Jahren reformiert und die 11. Klasse eingeführt wurde, doch fiel dafür auch das 4. Schuljahr weg, um dies umzusetzen. Also ist eigentlich alles beim Alten geblieben. Alle Klassen werden auch im gleichen Gebäude unterrichtet, oftmals ist es nicht möglich , das alle Klassen gleichzeitig Unterricht haben. Also ist es keine Seltenheit, das die Schüler auch am Nachmittag Unterricht haben. Die Klassen sind meist mit 30 Schülern besetzt, jeder Schüler ist Stolz auf seine Schule und das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist enger als in Deutschland. Die Lehrer lernen meist alle Familie kennen und somit die soziale Situation und wissen fast alles über die Familien ihrer Schüler. Die Schüler helfen auch in der Schule mit, zum Beispiel werden im Werkunterricht auch mal Schultische und Stühle repariert, oder man kocht in der Küche die Schulmahlzeit.

Leider war es uns nicht möglich, am 1. Schultag zur Schule zu gehen. Schule beginnt immer am 1. September, egal, was für ein Wochentag es ist. Die ziehen ihre besten Sachen an und bringen für den Lehrer Blumen mit zur Schule. Alle Schüler stellen sich nach der Größe auf. Der größte Schuler nimmt die kleinste Schülerin auf seine Schultern und die läutet mit einer Glocke, erst dann darf die Schule betreten werden. An diesen Tag gehen auch viele Eltern und ehemalige Schüler mit.

Es gibt auch Unterschiede zwischen den Schulen. Es gibt normale Schulen, welche die schwerer sind, es haben sich auch einige auf Musik, Naturwissenschaften oder Sprachen spezialisiert. Die Schulen mit dem erweiterten Sprachunterricht sind sehr überlaufen. Viele wollen Sprachen lernen und etwas von der Welt sehen. So kommt es auch, dass einige der Ehrenamtlichen nie ein Jahr weg waren. Für sie gibt es auch viele Gründe dabei zu sein. Zum einen wollen sie Ihr Land und ihre Kultur den Austauschschülern näher bringen, zum andern wollen sie sie kennenlernen und auch ihre erlernten Sprachen anwenden. Es ist oft erstaunlich, wie gut sie die fremde Sprache beherschen. Viele wollten, das wir sie berichtigten, wenn sie einen Fehler machten, doch das war meist nicht nötig.

Jeder Russe, der ein Jahr im Ausland war, hilft auch im Komitee mit, es wird viel für die Austauschschüler organisiert. Da die meisten die russiche Sprache auch nur in Ansätzen beherschen, findet zwei Wochen nach ihrer Ankunft ein Sprachcamp statt, in dem die Schüler auch von Lehrern unterrichtet werden. Sie bringen die Sprache durch Übungen und Lieder den Schülern näher. Jeden Monat findet ein Treffen mit allen Austauschschülern und vielen Ehrenamtlichen statt. Es werden auch Reisen nach Moskau und St. Petersburg organisiert, doch dies ist auch immer abhängig von den Schülern selbst. Die Herzlichkeit mit der man aufgenommen wird, spiegelt sich auch in den Taten wieder, wie sie nach ihrer Rückkehr im Komitee helfen.

In Russland gibt es auch immer mehr Vereine und Projekte mit sozialem Hintergrund, leiderwar es uns nicht möglich, viele zu besuchen. Wir konnten ein Teil der Arbeit des Clubs 4/4sehen. Hier werden Jugendliche im Alter von 12-16 Jahren psychologisch betreut und es wir ihnen ein Freizeitprogramm geboten. Die Betreuer helfen nur den Jugendlichen das umzusetzten, was sie selber machen wollen, sie geben ihnen die Chance sich selbst zu entfalten. Die Kinder müssen sich von selbst öffnen, damit ihnen geholfen werden kann. Sie stellen viel auf die Beine, es gibe Hip-Hop Tanzgruppen, Schachmeisterschaften etc., sie haben ein ganz besonderes Projekt. In dem Erstellen sie selbt material über die Rechte der Kinder und verteilen diese. Desweitern besuchen sie auch eine Kinderheim und opfern ihre Zeit den Kindern dort.

In Russland gibt es verschiedene Möglichkeiten, bei Community-Sevice-Projekten teilzunehmen, viele sind mit Kindern. Leider gibt es noch nicht viele Organisationen, die sich um erwachsene Behinderte kümmern, wie etwa in Deutschland die Behindertenwerkstätten oder Gärtnereien. Es gibt noch viel zu tun und noch mehr zu Erleben.



Bericht über die PTW- Tour AFS Russland im August/September 2001

von Katharina Lorch

Russland

Ich war also nicht in Ostdeutschland aufgewachsen und meine Schulkenntnisse über den Osten lagen mit den Begriffen “Kolchose” und “Sowchose” nicht mehr wirklich nahe an der Realität.

Also mußten Bücher her und natürlich das Internet. Reportagen in Geo- Heftchen, alte ausgekramte Broschüren zur politischen Bildung, Geschichtsbücher... insgesamt eine Reisevorbereitung, die bei mir weder ein klares Bild erschuf, noch irgendwie mit dem übereinstimmte, was ich mir vorgestellt hatte.

Jetzt ist Russland für mich vor allem der Moskauer Flughafen, das Hotel “Olympisk”, und eine lange Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn. Natürlich habe ich das Sputnik-Denkmal gesehen, den Roten Platz, die Hermitage... eine lange Reihe bedeutender Sehenswürdigkeiten.

Aber Russland, Russland scheint vor allem ein Weg zu sein oder eine Reise. Bahnhöfe und Metro vollgestopft mit lauter Menschen, riesige Straßen, Sinnbild für die endlosen Distanzen dieses Landes und seiner Bewohner. Vielleicht mit ein Grund warum die Russen so endlos gastfreundlich sind.

Meine Gastfamilien

Einfamilienhaus, Plattenbau und Neubau am Stadtrand Moskaus. Großfamilie (mit Urgroßeltern!), altes Ehepaar mit Tochter und unabhängige Studentin- bei allen habe ich mich äußerst willkommen gefühlt. Und ich hatte nicht im mindesten erwartet, einer solchen Bandbreite zu begegnen!

Jana hieß die Tochter meiner ersten Familie. Sie war mehrmals in den AFS Sommercamps gewesen und konnte etwas Englisch. Anfänglich noch völlig ahnungslos über russischeStandards war unsere Verständigung spätestens bei allen aktuellen MTV Stars kein Problem mehr und bei “trendy” Kosmetikfirmen musste ich schließlich passen.

Ihre Freundin Anja sprach wunderbar Englisch- mein Glück- und ihr Akzent verriet sofort ihren USA- Austausch. Unwillkürlich hatte ich sie- blondiert, Sonnenbrille und westlicheMarkenklamotten- in ein gutbetuchtes Elternhaus verfrachtet. Aber ich hatte mich getäuscht. Neben ihrem Studium arbeitete sie- zwei Jobs- und wohnte in einer kleinen Wohnung mit ihren Eltern zusammen. Kein eigener Fernseher mit MTV mehr, wie noch einen Tag zuvor.

Gegen meine Proteste zog sie auf die Couch im Wohnzimmer und ich schlief in ihrem Bett. Ich war wohl umsorgt. Meine “kargen Mensazeiten” in Berlin lang vergessen, gab es hier nicht nur wunderbaren russischen Kaffe und Kuchen, es gab auch ein Riesenfrühstück, ein Riesenmittagessen, ein Riesenabendessen und auch noch kleine Fress- Paketchen, damit wir nicht auf dem Weg zum Petershof vom Fleisch fielen.

Meine letzte Station waren zwei Nächte in Moskau. Eigentlich war es gewohntes Terrain: In einer Wohnung mit zwei Mädels, auch so Mitte Zwanzig wie ich. Am Schluss unserer Reise fand ich es dann auch entspannend, das russische Pendant zu meinem gewohnten Studentenleben kennenzulernen.

AFS- Komitee

10 Jahre gibt es den russischen AFS bereits. Vieles, was bei uns durch Ehrenamtliche organisiert wird, kann in Russland nur durch hauptamtliche Mitarbeiter bewerkstelligt werden. Natasha heisst der goldene Stern im Komitee St. Petersburg: sie weiss von ihren Schäfchen, ob Familien, Lehrer oder Freunde- die Kommunikation untereinander scheint wunderbar zu funktionieren und- kleine Ausflüge mit einigen Ehrenamtlichen im Schlepptau erhalten die Freundschaft: Die Freude der Neuen ist groß, bekannte Gesichter- Infos über den ersten Schultag, Essen, Geschwister... werden weitergereicht. Nichts mehr zu spüren von der Beklemmung bei der kurzen Orientierung im Hotel (“apart from the freaky Brasilian girl”). Natasha pflegt Kontakte, ob neue Gastfamilien, Ehrenamtliche oder zukünftige Ehrenamtliche, sind sie aus St. Petersburg so müssen sie an ihr vorbei.

Dass Ehrenamtliche das Programm mit Auswahl Betreuung etc. aktiv mitgestalten, sehe ich persönlich erst in weiter Ferne- soweit es überhaupt gewollt ist. Es gibt zwar erstaunlich viele Ehrenamtliche, die nie mit AFS weg waren, aber einfach so neugierig auf Fremdes sind und sich ein Jahresprogramm nicht leisten können. Nicht nur das ein Austauschjahr nach wie vor einer sehr privilegierten Gruppe vorbehalten ist, es scheint mir auch kulturell bedingt, dass eine Organisation, wie unsere Komitees, in Russland einen eher unseriösen, oder sagen wir, unprofessionellen Touch hätte.

AFS Russland

Einen Vorteil hat der russische AFS, er ist einfach strukturiert. Von unserem kompliziertenVereinsstrukturen mit Mittelebene und Delegierten etc. ist dort nichts zu merken. Nicht nur Entsenden und Aufnahme von Gastschülern sind wichtig, essentiell scheinen vor allem mehrwöchige Camps in denen alte und zukünftige, sowie Freunde des AFS Russland zusammen verreisen. Vielleicht könnte man es als zweites Programm neben dem Schüleraustausch bezeichnen. Die Einführung von anderen AFS Programmen, wie beispielsweise Freiwilligen- Dienst CSP, scheint erst in den Anfängen, wobei in Gesprächen mit den Ehrenamtlichen vor Ort deren Einschätzung nach deutlich wurde, dass es gewisse Probleme mit Projektplätzen geben könnte: Es sei zwar eine Vielzahl solcher Arbeitsstätten vorhanden, aber die Vorstellung, Freiwillige aus dem Ausland dort zuzulassen, scheine u.a. Ängste hervorzurufen.

Es laufen allerdings in nächster Zeit die ersten solcher Projekte in Russland an und es bleibt abzuwarten, ob sich der AFS Russland in Zukunft vermehrt für den CSP einsetzt.

 

Die Vorbereitungszeit in Deutschland

Bevor ich Anfang Juli 1999 im AFS-Büro Hamburg mein Vorbereitungspraktikum begann, nahm ich an einem von der European Federation for Intercultural Learning (EFIL) durchgeführten Seminar teil, das in Colle Val d'Elsa stattfand. EFIL, die Dachorganisation der verschiedenen nationalen AFS-Organisationen Europas, hatte hier den Schwerpunkt auf Jugendfreiwilligendienste wie etwa CSP oder European Voluntary Service (EVS) gesetzt und befasste sich u.a. mit Fundraising, PR und Erfahrungsaustausch.

Während der mehr als drei Monaten meines Praktikums in Hamburg hatte ich die Möglichkeit, die Arbeitsweise der Organisation näher kennenzulernen und mich gleichzeitig mich mit den Thematiken Ehrenamtlichenstrukturen und Jugendfreiwilligendienste zu beschäftigen. Ich lernte die verschiedenen CSP-Projekte in anderen Ländern kennen, und begann parallel dazu mit der Suche von möglichen Ansprechpartnern anderer Organisationen. Durch verschiedene Aufrufe in den Vereinsblättern wie dem Newsletter bekam ich auch von Vereinsmitgliedern den einen und anderen Tipp, an wen ich mich in Russland wenden könnte, was mir dann auch enorm half, als ich später in Russland ankam. Einmal hatte ich die Möglichkeit, über Russland und das geplante CSP in einer Sendung über Jugendaustausche der NDR4 Hamburg-Welle zu sprechen.

In Hamburg begann ich, das Russland-Handbuch für Gastschüler und CSP-Freiwillige zu schreiben. Dies, aber auch manchmal gewöhnliche Büroarbeit, gaben mir bis zu meiner Abreise genügend Beschäftigung. Darüberhinaus mussten natürlich auch einige Behörden-, Konsulatgänge erledigt werden, die auch einige Zeit beanspruchten.

Erste Zeit in Russland

Ich kam am 24. Oktober in Moskau an und wurde herzlich in meiner Gastfamilie aufgenommen. In der ersten Woche standen zunächst Eingewöhnung, Besuch alter Bekannter und Freunde sowie Behördengänge im Vordergrund (letzeres nicht nur in der ersten Woche), so dass ich mein Praktikum im AFS-Interkultura-Büro erst eine Woche nach meiner Ankunft begann.

In den ersten drei bis vier Wochen war ich fast ausschließlich mit Übersetzungen befasst, da ich bei Beginn meiner Arbeit bemerken musste, dass nur wenig bzw. kein angemessenes Informationsmaterial in Bezug auf das ”Community Service Programm” oder den Verein beim AFS Russland gab. Um dieses Programm in gemeinnützigen Projekten oder Organisationen vorstellen zu können, hatte diese Arbeit zunächst Priorität. Ausserdem übersetzte ich in diese Zeit die neue, umfangreiche Internet-Seite der Organisation ins deutsche, was mir außerordentlich half, meine Russischkenntnisse aufzufrischen.

Kleiner Abstecher: Ehrenamtliche Arbeit in Russland

Zur Zeit der Sowjetunion gehörte Ehrenamtlichenarbeit (vom ideologischen Standpunkt aus betrachtet) zum guten Ton. Sie fand ihren Ausdruck oft in den Subbotniki , die in den Staaten des sog. Ostblocks (auch in der DDR) veranstaltet wurden. Diese Subbotniks waren Arbeitseinsätze, bei denen ganze Betriebe, Kollektive etc. regelmäßig gemeinsam in der Freizeit Arbeiten verrichteten, wie beispielsweise Verschönerung der Nachbarschaft und andere der Allgemeinheit dienliche Tätigkeiten. Dies konnte auch über längere Zeiträume mit verschiedenen, auch anderen Aufgaben stattfinden.

Die Tatsache jedoch, dass diese Freiwilligkeit von oben diktiert wurde, ließ bei den meisten Sowjetbürgern kein Bewusstsein entstehen, dass wirkliche ehrenamtliche (freiwillige) Arbeit für eine gesunde Gesellschaftsordnung essentiell ist. Ein Bedarf dafür bestand ja auch nie, schließlich gab es seit langem faktisch keine Arbeitslosigkeit mehr und keine wirkliche Armut. Ein Bewusstsein für ökologische Belange bestand in der Sowjetunion nie richtig oder wurde unterdrückt. Tschernobyl stand noch bevor und der Aufbau des industriellen Kommunismus hatte Vorrang.

Diese staatlichen Ehrenamtlichenstrukturen, die nie wirklich welche waren, fanden mit dem Fall der Sowjetunion ein jähes Ende.

Mit der Gründung der Russländischen Föderation im Jahre 1991 und Gajdars Wirtschaftsreformen von 1993 verschlechterte sich die gesellschaftliche und soziale Lage im Lande enorm. Viele Menschen verloren ihren Arbeitsplatz und jegliche sowohl politische als auch ideologische Orientierung. Die Verwurzelung des Individuums in der Gesellschaft löste sich auf, die Menschen hatten von nun an andere Probleme; Orientierungslosigkeit machte sich breit, ein Zustand, der bis in die heutigen Tage andauert.

Hierin lässt sich die Problematik erkennen, vor der die ehrenamtliche Arbeit in Russland steht: In Sowjetzeiten gab es ehrenamtliches Engagenment nur äußerst vereinzelt. Selbst heute assoziiert man in Russland das Wort dobrowólez immer noch mit dem Subbotnik und man wird insbesondere als Ausländer, sei man nun ein Anderer-Dienst-Leistender o.a. oft gefragt, wieso man den ohne Bezahlung bloß für andere arbeite, wohltätig, sozial oder ökologisch hin oder her.

Andererseits ist es wichtiger als je zuvor, dass in Russland Menschen die Initiative ergreifen und soziale und ökologische Projekte starten. In vielen Bevölkerungsschichten besteht große Not, insbesondere bei Alten und Behinderten. Der Staat nimmt seine traditionellen Pflichten nicht mehr wahr. Als Beispiel hierfür kann das Internat für Kinder aus Problemfamilien in Susdal gelten . Der Staat stellt hier trotz des selbstaufopfernden Engagements der Heimleitung sämtliche staatliche Förderung ein. Dies ist kein Einzelfall, sondern bezeichnend für die russische Lage. Ehrenamtlichentätigkeit ist in dem Land so nötig wie nie zuvor.

Ein Bewusstsein für ökologische Belange muss sich außerdem bei einem Großteil der russischen Bevölkerung einstellen. Eine Entwicklung hin zu einem solchen Bewusstsein kommt bisher nur schleppend voran.

Hier ist das Handeln des Auslands gefragt, insbesondere das ausländischer Nichtregierungsorganisationen (NGOs), von denen viele bereits im Laufe der neunziger Jahre ihre Tätigkeit auf dem Gebiet der GUS aufgenommen haben. Für NGOs sollte in näherer Zukunft der Grundsatz gelten, dass man in Russland tätig wird, um zu zeigen, was man als Einzelner leisten kann.

Ziele meiner Arbeit

Das primäres Ziel lag, wie oben bereits erwähnt, zum einen darin, das Community Service Programm des AFS zu entwickeln. Das Programm besteht im Gegensatz zu den Schüler(austausch)programmen des American Field Service erst seit einigen Jahren.

Zum Anderen lag meine Aufgabe in der Stärkung der Ehrenamtlichenstrukturen des AFS Russland, was ihren Ausdruck größtenteils in der Schaffung der Partnertwinning-Gruppe und in meiner dortigen Mitarbeit Mitarbeit fand.

Im Folgenden möchte ich meine diesbezügliche Arbeit näher beleuchten und die Ergebnisse kommentieren.

Das Community Service Programm (CSP)

Die Ausweitung des CSP auf Russland ist für den AFS insofern neu, als dass Russland sowohl das erste osteuropäische, als auch das erste postsozialistische Land ist, in dem junge Erwachsene mit dem AFS für sechs oder mehr Monate soziale bzw. ökologische freiwillige Arbeit leisten werden können. Somit wird man bei der Durchführung des Programms nur sehr selektiv auf vorhandene Erfahrungen bauen können, da diese vornehmlich in lateinamerikanischen und anderen Ländern gesammelt wurden und die Maßstäbe in Russland, historisch und gesellschaftlich bedingt, teilweise gänzlich andere sind. Dies betrifft, kulturell bedingt, den Umgang mit ausländischen jungen Freiwilligen, aber auch die Art der Projekte und deren Zielsetzung, sowie besonders, wie oben bereits geschildert, die Einstellung der russischen Bevölkerung gegenüber ehrenamtlicher Arbeit im Allgemeinen.

Meine Tätigkeit bezüglich CSP

Für meine Arbeit bezüglich des CSP galt von Anfang an der Grundsatz, dass bei der Projekteausarbeitung Qualität vor Quantität gehen müsse, d.h. dass zunächst mit den Organisationen jeweils nur wenige Projekte ausgearbeitet wurden, da für die erste Zeit des Programms nicht mit vielen Community-Service-Teilnehmern gerechnet werden kann und außerdem so der Erfolg des Programms besser gewährleistet werden kann.

Nachdem ich im November die Übersetzungen von Informationsmaterialen, der Homepage etc. weitgehend abgeschlossen hatte, begann ich schliesslich, mit verschiedenen Organisationen Kontakt aufzunehmen. Nachdem ich bei den primär auf humanitäre Hilfe ausgerichteten Organisationen wie Médécins Sans Frontières den Eindruck gewinnen konnte, dass man nur mit dauerhafteren Projekten zum Erfolg kommen könnte, wandte ich mich zunächst an sozial tätige Organisationen. Die fruchtbarsten Kontakte entstanden mit dem Von Tür zu Tür e.V. und mit Salus, die ich zunächst beschreiben möchte.

Von Tür zu Tür e.V. (Köln / Moskau)

Die Organisation wurde 1989 in Köln auf Initiative von Lois Fisher-Ruge (ehemalige AFS Programmteilnehmerin ) gegründet, zunächst mit der Zielsetzung, in Deutschland Geld und Hilfsmittel für die Menschen in Russland zu sammeln und dort an die Bedürftigen zu verteilen. Mit der Zeit bildeten sich ständige Kontakte mit verschiedenen Projekten heraus und es entstand ein Büro in Moskau.

Durch einen Tipp von Georg Spiekermann, auf den ich im Zusammenhang mit Salus noch zurückkommen werde, nahm ich Kontakt auf mit Matthias Dietzel, der seinen Anderen Dienst im Tür-zu-Tür-Büro Moskau ableistete und dort als Projektkoordinator fungierte. Ab Januar hielten wir wöchentlichen Kontakt und arbeiteten auf Treffen verschiedene Möglichkeiten einer Zusammenarbeit aus. Verschiedene Projekte, die mit Tür zu Tür zusammenarbeiten, standen zur Diskussion, wie etwa ein soziales und ökologisches Projekt auf der Insel Olchon im Baikal-See, eine Jugend(pfadinder-)gruppe in Irkutsk, verschiedene Alten- und Krankenpflegeprojekte, zwei Internate, Nähwerkstätten, Suppenküchen etc.. Als das geeignetste und am schnellsten realisierbare Projekt erwies sich schließlich das Schulinternat Nr.2 in Susdal. Die Planungen für Projekte in Irkutsk und auf Olchon mussten wir leider abbrechen, als sich herausstellte, dass AFS Russland noch nicht dafür bereit war, Projekte auch in Sibirien durchzuführen. Außerdem waren ich und Matthias Dietzel der Ansicht, dass für eine weitere Zusammenarbeit das Gelingen eines Projekts am Förderlichsten ist, zumal noch in keinem der Projekte ausländische Freiwillige gearbeitet hatten.

Im März hatte ich die Möglichkeit, im Rahmen einer Hilfslieferung von Moskau nach Susdal zum Kinderheim zu fahren. In Susdal sah ich mir die Einrichtungen des Schulinternats an und traf mich mit dem Direktor, der sich sehr über die Idee freute, ehrenamtliche Freiwillige aufzunehmen.

Von nun an hielt ich direkten Kontakt mit dem Internat und ich reiste ein zweites Mal nach Susdal, wo mir der Direktor seine Vorstellungen des Projekts darlegte, aufgrund dessen die Projektbeschreibung entstand .

Das Projekt ist für das CSP besonders geeignet, da es ohne großen Vorbereitungen gestartet werden könnte. Für einen deutschen Freiwilligen eine Gastfamilie zu finden, dürfte kein Problem sein, da die Stadt regelmäßig mit der Partnerstadt Rotenburg o.d. Tauber Schüleraustausche durchführt. Außerdem gäbe es genügend Platz in den Räumlichkeiten des Schulinternats für einen Ehrenamtlichen. Die Stadt Susdal hat ihr Charme einer altrussichen Stadt nie abgelegt und ich bin überzeugt, dass ein sechsmonatiger Aufenthalt für einen Ausländer eine sehr reichhaltige Erfahrung wäre.

Der Kontakt zwischen mir und dem Internatsdirektor ist mit meiner Abreise abgebrochen. Meiner Kenntnis nach hat der AFS Russland unregelmäßigen Kontakt zu der Einrichtung, dennoch mache ich mir Sorgen, dass die Sache wieder einschläft, da AFS Russland dies nicht in die Hand nimmt. Ich bin mir aber sicher, dass ein CSP-Teilnehmer in diesem Projekt arbeiten kann, sobald mein Nachfolger im Rahmen des Bosch-Stipendiums von Moskau aus wieder für regelmäßigen Kontakt sorgen kann.

Salus (St. Petersburg)

Bereits während meiner Vorbereitungszeit in Deutschland bekam ich den Tipp, ich solle mich per E-mail an Georg Spiekermann wenden, ein AFS-Vereinsmitglied , das zur der Zeit seinen Anderen Dienst in verschiedenen Projekten Petersburgs ableistete. Wir verabredeten uns in Moskau, wo wir uns tatsächlich im späten November für einen Tag trafen. Hier erzählte er mir von einigen Projekten in Petersburg und es wurde klar, dass darunter sicherlich auch einige Projekte für das CSP geeignet waren. Georg lud mich zu sich nach Petersburg ein, um dort die verschiedenen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu erörtern und geeignete Projekte zu finden. Leider konnte ich dieser Einladung erst im März nachkommen.

Ich übernachtete für ein paar Tage in der Wohngemeinschaft dreier Anderer-Dienstler in Petersburg, wo ich sehr interessante Einblicke in die verschiedenen Tätigkeiten der Freiwilligen gewann.

Georg und ein Anderer waren viel engagiert bei Salus, einer russischen regionalen Dachorganisation verschiedener sozial und ökologisch tätiger Organisationen.

Salus beschäftigt sich größtenteils als ein Forum für Erfahrungsaustausch in der Nord-Westlichen Region Russlands und basiert vollständig auf Ehrenamtlichenarbeit. Die Mitarbeiter der Organisation waren sehr interessiert an Erfahrungsaustausch mit dem AFS, so dass ich sie zur jährlichen Vollversammlung des AFS einlud, die zwei Wochen später in Petersburg stattfand und an der auch ich teilnahm. Salus wollte dafür, dass man mir Projekte vermittelt, auch eine Gegenleistung haben. So nahmen zwei Mitarbeiter der Organisation an verschiedenen Veranstaltungen teil und kamen zwecks Erfahrungsaustausch mit dem Geschäftsführer des AFS Russland Sergej Sujetin zusammen.

Zwei Organisationen wurden mir durch Salus vermittelt; Zum Einen die Lebenshilfeliga St. Petersburg, zum Anderen die Organisation „Grünes Kreuz“, die sich ökologisch engagiert.

Ein Projekt mit der Liga wäre für ein CSP insofern leicht durchzuführen, als dass man hier bereits mit ausländischen Ehrenamtlichen gearbeitet hat und die Aufgaben, die an einen Ehrenamtlichen CSP-Teilnehmer gestellt würden, sich mit den Vorstellungen des AFS decken.

Eine Zusammenarbeit zwischen dem AFS und der Liga könnte sich schnell einstellen, zumal das Projekt nicht erst auf die Vorstellungen unsererseits adaptiert werden müsste.

Das Grüne Kreuz, einer Organisation die sich vielseitig ökologisch engagiert und dabei sowohl die Bevölkerung und Staatsorgane als auch Wirtschaft einbezieht, hat ebenfalls Interesse, einen CSPler aufzunehmen. Leider hatte die Organisation andere Vorstellungen von der Tätigkeit eines Community-Service-Teilnehmers. Zwar existiert eine Projektbeschreibung, die allerdings, da von Salus vermittelt, nicht von mir angefertigt wurde. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass man hier CSPler unterbringen könnte, zumal sich das Grüne Kreuz als Dachverband verschiedenster ökologischer Projekte versteht. Mein Nachfolger in Russland wird sicherlich kein Problem haben, zusammen mit der Organisation geeignete Stellen für das CSP auszuarbeiten, die sich mit Umweltschutz beschäftigen. Aufgrund Zeitmangels am Ende meines Russlandaufenthaltes war es mir nicht mehr möglich, abermals nach Petersburg zu fahren und dies zu übernehmen. Mein Nachfolger in Russland wird diese Möglichkeit aber schnell aufgreifen können.

Andere Organisationen und Kontakte

Während meines Aufenthaltes in Russland hatte ich auch zu anderen Organisationen Kontakt, die Interesse an einer Zusammenarbeit bekundeten, es allerdings zu keinen handfesten Ergebnissen kam. Diese möchte ich hier noch kurz stichwortartig beschreiben.

Memorial

Memorial versteht sich als eine Menschenrechtsorganisation, die sich vornehmlich mit der Aufarbeitung der Stalin-Zeit beschäftigt. Es gibt ein Archiv, das Menschenrechtsverletzungen auch der heutigen Zeit bearbeitet. Außerdem werden mittellose Opfer des stalinistischen Terrors gepflegt und betreut.

In Moskau besuchte ich die russische Zentrale der Organisation. Tanja Zobolski, eine dort arbeitende Ehrenamtliche aus Deutschland, gab mir den Kontakt zur Ansprechpartnerin für Projekte wie das CSP und Materialien über die Organisation „Sostradanije“.

Sostradanije

Organisation für Altenpflege in Moskau. Arbeitet eng mit Memorial zusammen. Schon viele ausländische Ehrenamtliche arbeiteten hier.

Danko

Der Verein Danko wurde 1997 in Wladimir gegründet und ist der Dachverband aller gemeinnützigen Vereine der Stadt. Danko arbeitet eng mit USAID, Save the Children und anderen, russischen Organisationen zusammen und bietet größtenteils Ehrenamtlichenschulungen an und stellt den anderen Vereinen Büroräume und sonstige Infrastruktur zur Verfügung. Interessant an diesem Dachverband sind die 22 Mitgliedsorganisationen. Den Kontakt konnte ich über Wladimirs Partnerstadt Erlangen herstellen. Ansprechpartner ist hier Witalij Gurinowitsch . Der Verein ist an einer Zusammenarbeit sehr interessiert. In der Stadtverwaltung Wladimir ist die Abteilung Internationale Beziehungen zuständig. Ansprechpartnerin ist hier Nadja Jewrassowa.

Gesellschaftszentrum Tschajkowskij

Regionaler Dachverband von sieben gemeinnützigen Vereinen im Permer Oblast, darunter Jugendvereine, ökologische Projekte etc. Ansprechpartner ist Wladimir Shigil.

Zentrum zur Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen im Ural

Dieser Dachverband arbeitet eng mit dem Deutsch-Russischen Austausch e.V. zusammen und nimmt bereits seit 1997 Freiwillige aus Deutschland auf. Ansprechpartner ist Andrej Kalich.
Die Adressen etc aller Organisationen und Ansprechpartner liegen im AFS-Büro Hamburg vor.

Das Partnertwinning-Projekt (PTW GER-RUS)

Partner Twinning ist das gemeinsame Bemühen zwischen AFS Partnern die Entwicklung der AFS Organisationen zu erleichtern. Es ist ein Konzept des gemeinsamen Lernens und des Erfahrungsaustausches. Ziele sind die Motivation von Ehrenamtlichen, die Programmentwicklung (qualitativ und quantitativ) zwischen beiden Partnern und die Stärkung der beteiligten AFS Organisationen.

Auszug dem Projektkonzept


Als ich im Herbst 1999 nach Moskau kam, hatte die deutsche Partnertwinning-Gruppe Russlands bereits seit geraumer Zeit ihre Arbeit aufgenommen und beschäftigte sich mit Handbücherübersetzungen, mit der Werbung für Russland als Gastland und mit sonstigen der Partnerschaft zwischen dem AFS Deutschland und AFS Russland dienlichen Anliegen.

Ich musste im russischen AFS-Büro jedoch feststellen, dass eine PTW-Gruppe in Russland nur auf dem Papier bestand, es hatten noch keine Treffen stattgefunden und es schien sich niemand für die Durchführung des Projektes zuständig zu fühlen. Ich sah aber eine PTW-Gruppe von ehrenamtlichen Mitgliedern als eine für meinen Auftrag, Ehrenamtlichenstrukturen zu festigen und auszubauen ideale Plattform an. So begann ich, zunächst Wege zu suchen, Leute für dieses Projekt zu gewinnen, vornehmlich unter ehemaligen AFS-Programmteilnehmern, die in deutschsprachigen Ländern bereits ein Jahr verbracht hatten.

Die erste Möglichkeit hierfür ergab sich auf einem Treffen von Fresh-Returnees und anderen Ehrenamtlichen in Alexandrow bei Moskau. Im Rahmen dieses Treffens war es mir möglich, mehrere Freshreturnees und Ehrenamtliche zur Mitarbeit zu animieren. So kam es zu einem ersten Gedankenaustausch über die Ziele und Aufgaben einer Partnertwinning-Gruppe - Deutschland, was auch zu ersten Ergebnissen führte. Die Teilnehmer des Forums erklärten sich bereit, auch weiterhin für die PTW-Gruppe zur Verfügung zu stehen. Für das Partnertwinning-Projekt wurde nun auch im Newsletter geworben, dem neuen Vereinsblatt von AFS Interkultura Russland, allerdings ohne Erfolg, denn vom AFS Russland wurden, wie auch schon seit der Gründung des Projekts, keine weiteren Anstrengungen unternommen, eine tatsächliche Durchführung des Projekts zu ermöglichen. Es kam zunächst zu keinen weiteren PTW-Treffen, die Partnertwinning-Gruppe in Deutschland hatte weiterhin keinen offiziellen Ansprechpartner seitens einer russischen PTW-Gruppe. Ich blieb daraufhin eine Art Mittelsmann für die deutsch-russischen Partnertwinning-Beziehungen.

Der AFS Deutschland hatte zu dieser Zeit bereits fünf vom AFS Russland zu benennende russische Ehrenamtliche eingeladen, an der Deligiertenversammlung des Vereins in Leipzig teilzunehmen und danach im Rahmen des PTW-Projekts eine Woche lang die Ehrenamtlichenarbeit in den Komitees kennenzulernen. Sowohl ich als auch die deutsche PTW-Gruppe sahen darin die ideale Möglichkeit, russische Ehrenamtliche für die Mitarbeit zu begeistern.

Das Problem lag allerdings darin, dass, wie auch die Gründung einer PTW-Gruppe, das Beantworten von diesbezüglichen Anfragen seitens AFS Deutschland vom AFS Russland auf die lange Bank geschoben wurde. Ich bestand jedoch darauf, dass Ehrenamtliche nach Deutschland fahren und erinnerte regelmässig die Verantwortlichen an die Einladung nach Leipzig. So kam es tatsächlich dazu, dass in letzter Minute Teilnehmer für die Fahrt rekrutiert wurden und diese dann zur DV fuhren.

Als diese zurückkamen, hatten sie alle den Wunsch, das PTW-Projekt in Russland Wirklichkeit werden zu lassen. Einen Monat später trafen sie sich -ohne mein Zutun- zum ersten offiziellen PTW-Treffen für ein Wochenende in Klin bei Moskau. Die russischen Ehrenamtlichen, die bei der DV teilnahmen, brachten viel Motivation zurück nach Russland. Unter ihnen ist übrigens auch Alexey Archinov, der ab Herbst dieses Jahres im Rahmen der Bosch-Förderung für ein halbes Jahr nach Hamburg kommt.

Ich persönlich bin und bleibe weiterhin bei der Partnertwinning-Gruppe auf deutscher Seite tätig, da ich mich auch dafür verantwortlich fühle, dass das PTW nicht an Dynamik verliert oder doch wegen fehlendem Engagement auf russischer Seite nach einer Zeit eingestellt wird, wie es wohl schon längst geschehen wäre, hätte ich nicht die Möglichkeit gehabt, in Russland vor Ort das Projekt zu koordinieren.

Schlusswort

In Russland zu arbeiten erfordert, wie ich in der letzten Zeit festgestellt habe, viel Energie, da man in vielen Fällen nicht auf Zuverlässigkeit oder Initiative der anderen bauen kann.

Ich bin aber der Überzeugung, dass Schüler- oder Ehrenamtlichenaustauschprogramme langfristig ungemein dazu beitragen können, die derzeitigen (gesellschaftliche und ökonomischen) Verhältnisse zum besseren zu verändern, da die Menschen in Russland so mit neuen Ideen konfrontiert werden. Das wichtigste dabei ist, dass die Menschen sich der Notwendigkeit bewusst werden, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und es sich nicht mehr diktieren zu lassen.

Ich bin sehr froh darüber, die Chance ergriffen zu haben und abermals für längere Zeit nach Russland gefahren zu sein. Diesmal konnte ich den russischen Alltag aus einer anderen Perspektive kennenlernen und viel dazulernen. Mein Interesse für Russland wurde dadurch noch verstärkt und ich werde mich weiterhin dafür engagieren, dass das CSP und das PTW in Russland ein Erfolg wird.


Martin Podolak, Hamburg im September 2000

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